Weihnachten

Dieses Jahr erlebte ich Weihnachten in Peru. Der größte Unterschied für mich hier war das Wetter. Während ich in Deutschland immer auf weiße Weihnachten hoffe, packte ich hier meine kurze Hose und die Sonnencreme aus. Ungewohnt, aber auch spannend. So war ich am 2. Adventssontag (9.12.18) mit meiner Gastschwester am Strand in Punta Negra. Mit dem Bus ist das circa eine Stunde von Villa El Salvador. Da entstand das Titelbild des Blogeintrags.
Mit den anderen Freiwilligen in Lima und unserer Koordinatorin machten wir ein Weihnachtspicknick mit Snacks und Eis im Park.

Im Dezember füllten sich die Läden und Stände an der Straße immer mehr mit Weihnachtsdekoration. Viel Glitzer und Lichterketten mit Musik, die in allen Farben blinken. Manche legten sich beim Dekorieren ihrer Häuser ordentlich ins Zeug gelegt und man kann sie nachts von Weitem sehen. Wer noch einen drauf setzen wollte, hat einen Laser, der die Hauswand mit Weihnachtsmotiven bestrahlt. In den Geschäften wie Banken etc und in meiner Einsatzstelle dem medizinischen Zentrum wurde fleißig dekoriert.
Die Weihnachtsfeier des medizinischen Zentrums war dieses Jahr gemeinsam mit dem Kindergarten und anderen Angestellten der Gemeinde. Unter den Kollegen des medizinischen Zentrums wurden Wichtelpartner gelost und bei der Feier die Geschenke überreicht.

Zu meiner Verwunderung gehören Schneemänner und Schneeflocken hier wie selbstverständlich zur Dekoration dazu. Dass es an Weihnachten Sommer ist und viele in ihrem Leben noch nie Schnee gesehen haben, ändert daran nichts. Trotz Sommer schaffte ich es in Lima einen Schneemann zu bauen. Im Fernsehen sah ich, dass es in der Nähe auf einem Weihnachtsmarkt ein ganzes Becken voller Schnee gab. Um die Schneequalität zu überprüfen machte ich mir selbstverständlich ein Bild vor Ort. Der Schnee war weiß und kalt, jedoch mehr Eis als Schnee. Für ein paar kleine Runden auf dem Schlitten und für einen kleinen Schneemann war es völlig ausreichend und das Winterkind in mir war glücklich.

Weihnachtsbäume gibt es fast in jedem Haus, jedoch allermeistens aus Plastik. In großen Kreisverkehren in ganz Lima und auf dem Platz vor dem Rathaus in Villa El Salvador wurden riesige Weihnachtsbäume mit Lichtern aufgestellt.

In Peru sind circa 76% der Bevölkerung katholisch und oft spielt der Glaube ein größere Rolle als in Deutschland. In den meisten Häusern wird eine Weihnachtskrippe aufgebaut. Hier gehören viele Tiere dazu. Zwischen Schafen, Kühen, Eseln und Lamas hab ich auch Giraffen und Elefanten entdeckt. Die Gemeinde in meiner Nachbarschaft macht jedes Jahr einen Wettbewerb, wer die schönste Weihnachtskrippe hat. Die besten werden mit der Gemeinde und dem Chor besucht und die Gewinner bekommen einen Geschenkkorb.

Geschenkkörbe bekommen die meisten auch von ihrem Arbeitgeber. Fertige Geschenkboxen kann man auch im Supermarkt kaufen. Der Standardinhalt ist Reis, Zucker, Paneton (italienischer Kuchen), Schokolade zum Trinken, Haferflockenbreimischung, Nudeln, Kekse, Pfirsiche in der Dose, Öl und manchmal auch Champagner.

Paneton in Kombination mit heißer Schokolade ist hier typisch für Weihnachten. Die Schokolade wird wirklich warm serviert, obwohl man bei den Temperaturen meistens keine Aufwärmung benötigt.
Bei sogenannten „Chocolatadas“ gibt es Paneton und Schokolade kostenlos für die Kinder. Manchmal werden auch Süßigkeiten oder Geschenke an die Kinder verteilt. Im medizinischen Zentrum gab es eine „Chocolatada“, sowie in der Gemeinschaftsküche bei mir im Viertel. Dazu kam sogar der zukünftige Bürgermeister von Lima, was für viel Aufsehen sorgte.
Verwandte von einem Kumpel hatten Spielzeugspenden und machten in einem ärmeren Viertel in Villa El Salvador eine „Chocolatada“ und ich half mit.

In den Tagen vor Weihnachten stieg das Verkehrsaufkommen sehr an. Manche Busfahrer haben ihre Route deshalb spontan abgeändert um Staus zu entkommen. Auf den Straßen war mehr los und neben Weihnachtsdekoständen bauten sich Verkaufsstände mit Spielzeug auf.

An Heiligabend sangen wir mit dem Chor zuerst in einer kleinen Kapelle auf einem Hügel. In der Nähe der Kapella haben wir auch die „Chocolatada“ zwei Tage zuvor gemacht. Die Verhältnisse dort sind ärmlicher, das heißt es gibt mehr Wellblechhütten und viele Häuser sind nur durch Treppen erreichbar.
Es gibt mehr Straßenhunde und nach meinem Eindruck verteidigen sie ihr Revier deutlicher. So liefen wir leicht angespannt und in schnellen Schritten die Treppen zur Kapelle hoch, immer wieder begleitet von Hundegebell.
Tagsüber und vor allem nachts hat man dort eine tolle Aussicht auf Villa El Salvador.

Um 21.30 Uhr war der Gottesdienst in der Gemeinde „Christo El Salvador“. Es gab einen kleinen Kinderchor und ein Krippenspiel. Jesus war beim Krippenspiel ein echtes Baby und wurde später noch von dem Pfarrer symbolisch hochgehalten und die Gemeinde hat applaudiert.
Tradition ist es das Jesuskind seiner Weihnachtskrippe mit in den Gottesdienst zu bringen um es segnen zu lassen. Rund um den Alter lagen große und kleine Jesusfiguren in Schuhkartons und Tücher und wurden nach ihrer Segnung wieder von ihren Besitzern abgeholt.

Hier wird Mitternacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember als Geburtsstunde von Jesus gefeiert. Deshalb wird das Jesuskind traditionell zu dieser Uhrzeit in die Krippe gelegt. Bei vielen Familien gibt es das Weihnachtsessen erst nach Mitternacht. Meine Familie und ich haben kurz nach 11 Uhr gegessen. Um 12 Uhr legt man Jesus in die Krippe und wünscht sich gegenseitig „Feliz Navidad!“ (dt. Frohe Weihnachten!). Wer nicht selbst Raketen in die Luft schießt kann das Feuerwerk beobachten, das ebenfalls um 12 Uhr beginnt. Wir sind nach draußen um das Feuerwerk zu sehen und haben den Nachbarn „Feliz Navidad!“ gewünscht.

In Peru ist nur der 25.Dezember ein Feiertag, das heißt am 26. Dezember geht es für einige bereits wieder zum Arbeiten. Meine Gastschwester und mein Gastvater arbeiten auch an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr.

Bei vielen landet an Heiligabend Truthahn auf dem Teller. Wer keinen Ofen oder einen zu kleinen Ofen hat, kann ihn zum Beispiel in einer Bäckerei backen lassen. Meine Familie hat dies auch gemacht, da unser großer Ofen momentan kaputt ist. Schwein ist ebenfalls ein beliebtes Weihnachtsessen. Wer an Weihnachten Truthahn hatte isst an Silvester oft Schwein und umgekehrt.

Die Zeitverschiebung nach Deutschland hat auch seine Vorteile(momentan ist Deutschland Peru sechs Stunden voraus, z.b 13 Uhr Peru, Deutschland bereits 19 Uhr). So konnte ich während ich auf die Feierlichkeiten in Peru wartete, bereits mit meiner Familie in Deutschland Weihnachten feiern. Dank Videoanrufen mit Whatsapp war ich beim Weihnachtslieder singen unterm Christbaum live mit dabei.

Ich hoffe ihr habt alle ein paar ruhige Festtage mit euren Liebsten verbracht!
Und bald einen guten Start ins Jahr 2019!
Wer im nächsten Jahr mehr Glück belegt sollte sich nach peruanischer Tradition für den Jahreswechsel gelbe Unterwäsche zulegen.
Danke für euer Interesse!

Viele Grüße aus Lima und bis nächstes Jahr,
Regina

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Weihnachtsbaum
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Weihnachtsdekoration
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Weihnachtstimmung
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Weihnachten im medizinischen Zentrum
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Endlich Schnee!
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Schneemann im Sommer
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Christbaum und Krippe bei mir Zuhause
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Verkauf von Weihnachtskrippen im Zentrum
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peruanische Weihnachtskrippe
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Weihnachtskrippe in der Kirche
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Blick auf Villa El Salvador
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Kapelle mit Aussicht
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Villa El Salvador bei Nacht
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Weihnachtsessen, Truthahn
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Paneton und warme Schokolade

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